Spotting Culture denkt über die Oktoberrevolution und die Revolution in Syrien nach

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23.08.17: Spotting Culture vor der Weimarhalle: Molham, Tareq, Lena, Julia, Helmut, Karin, Lina, Amelie und Gabriel. Foto: Candy Welz

Vor dem Konzertbesuch der „Kantate zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution“ füllen wir uns mit Wissen an: War die Oktoberrevolution wirklich ein gewaltiger Aufstand oder nicht eher ein Revolutiönchen, bei dem gerade mal zwei Fenster zu Bruch gingen? Doch welch gravierende Folgen sie hatte! 2017, 100 Jahre nach der Oktoberrevolution, hören wir das gewaltige Werk, das uns in seiner Wucht ziemlich umhaut. Das historische Wissen rückt in den Hintergrund, ganz unmittelbar treffen uns die kräftigen Klänge der einzelnen Instrumente. Und was für eine Überraschung ist das „Concerto for Turntables & Orchestra“ – was für ein Tüftel-Künstler steht da an den Plattenspielern, der die Luft zum Flirren bringt!

Molham Al Khodari ist 21 Jahre alt, kommt aus Syrien und beschreibt seinen Eindruck so: „Als ich die Musiker des Orchesters gesehen habe, hatte ich sofort Vertrauen, dass sie es gut machen würden. Das liegt wahrscheinlich an ihrer schwarzen Kleidung. Der Dirigent war sehr streng, aber er nahm die Sache einfach ernst – das hat mir gefallen! Der Anfang der Kantate hat mich an den Beginn der Revolution in Syrien erinnert: an das, was wir damals gefühlt haben und warum unsere Wut so groß war, dass wir auf die Straße gehen wollten. Leider haben wir in Syrien nie den Klang des Erfolgs, des Sieges der Revolution hören können … das hat mich traurig gemacht, denn in der Kantate gab es diesen Klang! Plötzlich habe ich nicht mehr an Revolution, sondern an Fußball gedacht: Ich habe mich an die Champions-League erinnert, als Real Madrid den Pokal gewonnen hat – das war so ergreifend, als ihre Hymne gespielt wurde. In diesem Moment hatte ich – so wie bei der Kantate – den Sieg nach einem Kampf spüren können.

Als der DJ kam, hatte ich nicht das Gefühl, dass das zum Orchester passte. Ich habe immer darauf gewartet, dass ich noch mehr überrascht werden würde … Erst ganz am Ende fand ich sein Solo super.

Aber eigentlich ist es nicht meine Art zu kritisieren oder mich zu beschweren. Anders als manche Deutsche sehe ich immer das Gute, in Syrien sagt man: Das Glas ist immer halb voll.“

 

 

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